Unwetter-Alarm: Hagel, Sturm und Starkregen richten große Schäden an

Großeinsatz für die Feuerwehren im Landkreis - Feuerwehr Nußdorf im Dauereinsatz
Einsatz am 22. Juni 2011

Nußdorf / Lkr. Traunstein. Überflutete und unpassierbare Straßen, abgedeckte Hausdächern, entwurzelte Bäume und abgerissene Äste, die auf Autos und Wohnhäuser fallen, überflutete Keller, umgerissene Bauzäune und enorme Schäden auf landwirtschaftlichen Anbauflächen - das Unwetter, das am Mittwochabend (22.6.) mit Starkregen, Hagelschauern, Sturmböen von bis zu 130 km/h und Gewitter von West nach Ost über den Landkreis fegte, hielt die Feuerwehren im Dauereinsatz. Auch die Feuerwehr Nußdorf war im Dauereinsatz. Von 16.15 Uhr bis 21.30 Uhr hatten die Floriansjünger alle Hände voll zu tun, um von umgestürzten Bäumen blockierte Straßen wieder befahrbar zu machen und verschiedenste Unwetterschäden zu beheben. Das heftige Gewitter mit Sturm, starken Hagelschauern und Starkregen war noch nicht vorüber, als die Feuerwehr Nußdorf ihren ersten Einsatzalarm des Tages bekam. Mehrere große Bäume waren nahe der Abzweigung nach Herbsdorf auf die Bundesstraße 304 gefallen, hatten Leitplanken niedergedrückt und ragten in die Bahnlinie Traunstein-Garching hinein. Die Feuerwehr Nußdorf beseitigte die Hindernisse. Dazu war eine zeitweise komplette Sperrung der Bundesstraße notwendig. Das Straßenbauamt musste eine Kehrmaschine einsetzen, um die von Laub übersäte Fahrbahn zu reinigen. In Litzlwalchen fiel ein Baum auf ein Wohnhaus. Dabei wurde glücklicherweise niemand verletzt. Zur Beseitigung des Baumes war aber ein Kranwagen notwendig. In Sondermoning wurde eine Starkstromleitung durch einen umgestürzten Baum beschädigt. Die Feuerwehr sicherte die Einsatzstelle, bis der Stromversorger den Schaden repariert hatte. Auch die Kreisstraße zwischen Nußdorf und Sondermoning wurde durch umgestürzte Bäume kurzzeitig unpassierbar, ebenso mehrere Gemeindeverbindungsstraßen, zum Beispiel zwischen Nußdorf und Litzlwalchen oder nach Mühlthal. Die Nußdorfer Floriansjünger waren mit beiden Fahrzeugen im Einsatz, auch Traktoren und ein kleiner Radlader wurden benutzt, um die Straßen wieder frei zu bringen. 35 Mann der Feuerwehr Nußdorf waren mehr als fünf Stunden tätig, und hatten mehr als 15 einzelne Einsätze abzuarbeiten.    
Im gesamten Landkreis Traunstein wurden am Mittwochabend und in der Nacht zum Donnerstag rund die Hälfte der 80 Feuerwehren im Landkreis Traunstein alarmiert. Zusätzlich zu den Unwettereinsätzen gab Großbrandalarm, nachdem während des Unwetters ein Blitz in ein Wohnhaus in Kleinornach bei Obing eingeschlagen hatte. Der Dachstuhl wurde schwer beschädigt, zu einem größeren Brandschaden kam es zunächst nicht. Am Donnerstag gegen 3.20 Uhr heulten erneut die Sirenen in Obing und Umgebung, weil sich unentdeckte Glutreste entzündet und zu einem offenen Feuer am Dachstuhl geführt hatten. Brandalarm gab es auch in der Gemeinde Petting, nachdem bei der Integrierten Leitstelle Traunstein ein Notruf einging, dass ein Sägewerk in Spöck in Flammen stehe. Tatsächlich war jedoch „nur“ ein Gabelstapler in Brand geraten. Die Feuerwehr Petting hatte das Feuer schnell gelöscht. Ein Gebäudeschaden entstand nicht. Menschen kamen nach ersten Erkenntnissen der Feuerwehr während des Unwetters nicht zu Schaden. Der Schaden, den das Unwetter an Gebäuden, Fahrzeugen und in der Landwirtschaft anrichtete, ist noch nicht genau zu beziffern.
Insgesamt mehr als 120 Einsätze zur Beseitigung der Unwetterschäden zu bewältigen. Eine Spur der Verwüstung zog das Unwetter von Chieming über Nußdorf, die Kreisstadt Traunstein, Surberg, Wonneberg und Waging bis nach Fridolfing und Kirchanschöring. In diesen Gemeinden waren die Feuerwehren am Mittwochabend stundenlang und pausenlos im Einsatz. Der Einsatzmarathon begann kurz nach 16 Uhr. In ein großes Wohnhaus in Kleinornach bei Obing schlug ein Blitz ein. Der Blitzschlag war so heftig, dass die Dachziegel mehr als Hundert Meter weit geschleudert wurden. Der Dachstuhl begann zu brennen. Daraufhin wurde Großalarm für die Feuerwehren Obing, Kienberg, Trostberg, Seeon und Rabenden ausgelöst. Wenige Minuten nach dem Alarm waren die Floriansjünger zur Stelle und konnten den Brand noch in der Entstehungsphase löschen. Der Schaden am Dachstuhl wird von der Polizei auf rund 100.000 Euro geschätzt.

Während die Feuerwehren in Kleinornach mit den Löscharbeiten am Dachstuhl beschäftigt waren, wälzte sich das Unwetter vom Chiemsee her in Richtung Osten. Im Minutentakt wurden die Feuerwehren alarmiert. Besonders betroffen war die Stadt Traunstein. Die Straßen wurden überflutet, weil Hagel die Gullys verstopften und die Wassermassen nicht mehr abfließen konnten. Die Bundesstraße 304 musste zeitweise gesperrt werden. Wegen Überflutung der Bahnunterführung war die Wasserburger Straße unpassierbar. Mehrere Busse waren von umgestürzten Bäumen eingeschlossen, so dass es weder ein Vorwärts noch Rückwärts gab. Fahrgäste wurden jedoch nicht verletzt. Auch bei Sparz gab es auf der Bundesstraße 304 kein Durchkommen mehr. Teilweise lagen die Hagelkörner bis zu 30 Zentimeter hoch auf den Straßen. Die Feuerwehr forderte für die Straßen in Hufschlag (Gde. Surberg) einen Schneepflug zum Räumen an. In Traunstein fielen Bäume auf die Fahrbahnen und versperrten den Weg. Auch wurden zahlreiche Keller überflutet.
Alle Hände voll zu tun hatten auch die Floriansjünger in Chieming. Sie mussten zahlreiche entwurzelte Bäume beseitigen, die die Staatsstraße zwischen Laimgrub und Seebruck blockierten.
Ein Dutzend Einsätze hatten auch die Feuerwehren Wonneberg, Waging und Nirnharting zu bestreiten. Meist waren umgestürzte Bäume und abgerissene Äste zu beseitigen. In einem Fall war ein Baum auf einen Pkw gefallen. Menschen kamen nicht zu Schaden. Stundenlang gefordert, um die Schäden durch das Unwetter zu beseitigen, waren auch die Wehren Petting, Fridolfing, Pietling und Kirchanschöring.

Für die Feuerwehren südlich der Autobahn blieb es am frühen Mittwochabend zunächst völlig ruhig. Die Floriansjünger im Achental und in Reit im Winkl wurde erst durch die zweite Unwetterfront gefordert, die gegen 20 Uhr südwärts zog. Auch dort hatten die Feuerwehren Hindernisse durch entwurzelte Bäume von Straßen zu räumen und überflutete Keller auszupumpen. Die Grassauer Feuerwehr wurde mit ihrem Hubrettungsfahrzeug nach Pietzenkirchen (Gde. Riedering / Lkr. Rosenheim) gerufen. Das Spezialfahrzeug wurde dort zur Behebung von Unwetterschäden gebraucht.

Um 22.20 Uhr wurde Brandalarm für die Feuerwehren Petting, Kirchanschöring, Lampoding, Traunstein sowie Laufen und Leobendorf ausgelöst. Ein Anwohner hatte einen Feuerschein in Spöck bemerkt und vermutete, dass das dortige Sägewerk brennt. Die zuerst am Einsatzort eingetroffene Feuerwehr Petting fand einen brennenden Gabelstapler vor, der außerhalb der Gebäude stand. Die Besitzer hatten das Feuer selbst weitgehend unter Kontrolle gebracht, die Feuerwehr erledigte den Rest. Alle weiteren anrückenden Feuerwehren konnten noch auf der Anfahrt umdrehen und zu den Gerätehäusern zurückkehren.

In der Nacht zum Donnerstag, gegen 3.20 Uhr, gab es zum zweiten Mal innerhalb von zwölf Stunden Großbrandalarm wegen eines Feuers in Kleinornach bei Obing. Der Dachstuhl des Gebäudes, in den am Vortag der Blitz eingeschlagen hatte, geriet in Brand. Vermutlich hatten sich Glutreste unter der Dachhaut, die von der Feuerwehr nicht entdeckt worden waren, entzündet. Bei Eintreffen der Löschmannschaften züngelten Flammen aus dem Dach. Mit Hilfe von zwei Drehleitern und vor allem durch Atemschutzträger, die im Innenangriff in den Dachboden vorrückten, war das Feuer schnell gelöscht. Schon 30 Minuten nach Einsatzbeginn meldete die Einsatzleitung „Feuer aus.“ Dennoch waren umfangreiche Nachlöscharbeiten notwendig, nachdem die Floriansjünger Glutreste unter den, von einer Photovoltaikanlage bedeckten Teil des Daches mit Hilfe einer Wärmebildkamera ausfindig gemacht hatten. Auch bei dem zweiten, nächtlichen Alarm waren fünf Feuerwehren mit 80 Mann im Einsatz. 


Bis zum frühen Morgen des Fronleichnamstages waren die Unwettereinsätze der Feuerwehren beendet. Nur die Feuerwehr Ruhpolding musste noch einmal ausrücken, um einen umgestürzten Baum zu zerschneiden, der in der Siedlung Schwaig ein Brückengeländer zerstört hatte. Vom gemeindlichen Bauhof waren Absperr- und Sicherungsmaßnahmen notwendig. Auch die Feuerwehr Traunwalchen beseitigte von der Frauenbrunnstraße einen umgestürzten Baum. Am Feiertag konnten sich die Feuerwehren wieder einfacheren Aufgaben widmen, wie der Absperrung und Verkehrslenkung während der Fronleichnamsprozessionen, überall dort, wo sie stattfanden. pv.

Text: Peter Volk          Bilder: © Peter Volk